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Ältere Frauen und Männer

Der Anteil älterer Frauen und Männer an der deutschen Gesamtbevölkerung nimmt seit Jahrzehnten zu, mit weiterhin steigender Tendenz. Im Jahr 2017 war mehr als ein Fünftel (21,4 Prozent) der Bevölkerung 65 Jahre alt oder älter – das entspricht über 17,7 Mio. Personen bzw. 9,98 Mio. Frauen und 7,72 Mio. Männern (Destatis). In den höheren Altersgruppen sind Frauen u. a. durch ihre im Schnitt höhere Lebenserwartung stärker vertreten.


Im Alter sind Frauen in der Regel finanziell deutlich schlechter gestellt als Männer, da sie im Durchschnitt sehr viel niedrigere Renten erzielen, wodurch ihnen häufig Altersarmut droht. So betrug die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern im Jahr 2015 53 Prozent (bezogen auf die gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge, siehe WSI GenderDatenPortal: Gender Pension Gap).
Die Altersrenten von Frauen in Deutschland unterscheiden sich aber stark im Ost-/West-Vergleich: In Ostdeutschland erzielten Frauen im Jahr 2017 durch ihre höhere und längere Erwerbsbeteiligung durchschnittlich 928 Euro Altersrente, bei Frauen in Westdeutschland waren es 622 Euro (IAQ: Rentenhöhen 2017, Abb. VIII29_30).
Aufschlussreich sind bei der Frage nach den Rentenhöhen aber v. a. die Unterschiede zwischen Frauen und Männern (Gender Pension Gap): In den östlichen Bundesländern erhielten Frauen 2017 im Durchschnitt gut Dreiviertel der Altersrenten der Männer (F: 928, M: 1.198 Euro), in den westlichen Bundesländern lagen die Frauenrenten nur bei etwas über der Hälfte der Männerrenten (F: 622, M: 1.095 Euro) (IAQ). Männer in den neuen Bundesländern erzielten laut IAQ im Jahr 2017 somit im Durchschnitt der "Altersrenten insgesamt" deutschlandweit die höchsten Renten.
Die geringsten Renten erzielten in Westdeutschland verheiratete Frauen mit Kindern im Vergleich zu Männern mit diesem Status. So betrug die Rentenlücke im Jahr 2012 in dieser Gruppe fast 70 Prozent (BMFSFJ: Gender Pension Gap). Im Vergleich dazu lag der Gender Pension Gap bei den Verheirateten in Ostdeutschland bei knapp 40 Prozent.


Aufgrund der niedrigen Altersrenten sind viele ältere Frauen von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht, was gemäß der EU-Definition bedeutet, dass sie von einem oder mehreren der folgenden Kriterien betroffen sind: Armutsgefährdung, erheblicher materieller Entbehrung und/oder in Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung lebend. So waren im Jahr 2017 19,9 Prozent der ab 65-jährigen Frauen von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht, bei den Männern dieser Altersgruppe waren es 15,3 Prozent (Statistisches Bundesamt: Armut und soziale Ausgrenzung). Die Anteile Älterer in der Grundsicherung steigen ebenfalls seit Jahren und sind am höchsten bei Frauen in Westdeutschland (WSI-Report Nr. 29, 2/2016, Tabellenband, S. 11-13).


Die Arbeitsmarktbeteiligung, v. a. der älteren weiblichen Bevölkerung, hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen: So lag die Erwerbsquote der 55-64-jährigen Frauen im Jahr 2017 bei 67,5 Prozent (zum Vergleich 2012: 58,2), die der Männer bei 77,9 Prozent (2012: 73,1). Auch die Erwerbstätigkeit der 65-69-Jährigen hat stark zugenommen und betrug 2017 insgesamt 16,3 Prozent (zum Vergleich 2012: 11,3). Dies betraf 2017 20,3 Prozent der Männer und 12,5 Prozent der Frauen (2012: Frauen 8,3 und Männer 14,6 Prozent; vgl. Erwerbsquoten nach Geschlecht und Altersgruppen in der Eurostat-Datenbank). Allerdings hat die Zunahme der Erwerbstätigkeit bei Frauen v. a. im Bereich von Teilzeitarbeit stattgefunden (BMAS: Fortschrittsreport "Altersgerechte Arbeitswelt", Ausgabe 2).


Die Arbeitslosenquote der Älteren ist höher als im Gesamtdurchschnitt: Für den Monat Februar 2019 gibt die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitslosenquote der 55-64-Jährigen (ca. 524.620 Personen) mit 5,8 Prozent an (zum Vergleich: alle zivilen Erwerbspersonen 5,3 Prozent). Der Frauenanteil umfasst dabei 43,6 Prozent. Von Arbeitslosigkeit sind v. a. Menschen in Ostdeutschland betroffen: Unter den 55-64-Jährigen betrug die Arbeitslosenquote 7,8 Prozent (zum Vergleich: Westdeutschland 5,3 Prozent).
Es sei hier zudem darauf hingewiesen, dass v. a. viele ältere Frauen durch die Arbeitslosen- oder Erwerbstätigenzahlen nicht erfasst werden, da sie den Nichterwerbspersonen zuzurechnen sind.


Teilweise verschärfen sich die geschlechterdifferenzierten Unterschiede bei der Erwerbstätigkeit und sozialen Absicherung Älterer im Hinblick auf weitere soziodemographische Merkmale wie Beeinträchtigung bzw. Behinderung oder Migrationshintergrund, bspw. durch höhere Arbeitslosenquoten und niedrigere Einkommen. Menschen mit Migrationshintergrund (Mikrozensus 2013: 32 Prozent Armutsrisiko) und Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit (39 Prozent) haben insgesamt ein sehr hohes Armutsrisiko (Bertelsmann Stiftung 2015: Altersarmut in Deutschland, S. 3), Frauen sind dabei noch stärker armutsgefährdet als Männer (vgl. DIW-SOEP Papers 907-2017).
Zugespitzt ist auch die Diskriminierung und Gefahr von Altersarmut für ältere Frauen mit Beeinträchtigungen, die oftmals noch geringere Einkünfte und eine schlechter gesicherte Altersvorsorge haben als Frauen im Allgemeinen.


Nicht nur mit Blick auf die Erhöhung des Rentenalters, sondern auch in Bezug auf die Zunahme der älteren Bevölkerung sind Maßnahmen zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit notwendig. Aufgrund der Zielsetzung aus der Strategie Europa 2020, die Beschäftigungsquote der 55-64-Jährigen auf mindestens 60 Prozent zu erhöhen, stehen v. a. auch ältere weibliche Arbeitskräfte im Operationellen Programm des Bundes im Fokus. So sollen „Ältere“ in allen Förderbereichen des ESF berücksichtigt werden: durch Maßnahmen für alternsgerechte Personalpolitik, den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit, präventive Maßnahmen für sichere und gesunde Arbeit und die Gestaltung alternsgerechter Produktions- und Geschäftsprozesse. Explizit soll die Teilhabe älterer Frauen am Lebenslangen Lernen (Qualifizierung/berufliche Weiterbildung) ausgebaut und ihre Erwerbstätigkeit weiter erhöht werden.

Hierbei sollten auch der Umfang und die Qualität von Arbeit in den Blick genommen werden, weshalb neben der Beschäftigungsquote das Vollzeitäquivalent als relevanter Indikator einbezogen werden müsste. Dieser Indikator sowie auch der Gender Pay Gap und der Gender Pension Gap können auf nationaler und auf EU-Ebene als geeignete Messeinheiten dafür dienen, wie weit nachhaltig existenzsichernde Beschäftigung erreicht wurde.

 

! Hier finden Sie Literatur- und Statistikhinweise, die nach Frauen und Männern differenzierte Daten zum Themenbereich „Ältere Frauen und Männer“ enthalten:

Bevölkerung

Arbeitsmarkt

Soziale Sicherung

 


In der Materialsammlung zum Querschnittsziel "Antidiskriminierung" finden Sie weiterführende Berichte, Studien und Fachbeiträge zum Thema Alter.

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